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Gedanken zum Dreifaltigkeitsonntag

Lesung aus dem zwei­ten Brief des Apos­tels Pau­lus an die Gemein­de in Korínth.

Schwes­tern und Brü­der,
freut euch,
kehrt zur Ord­nung zurück,
lasst euch ermah­nen,
seid eines Sin­nes,
hal­tet Frie­den!
Dann wird der Gott der Lie­be und des Frie­dens mit euch sein.
Grüßt ein­an­der mit dem hei­li­gen Kuss!
Es grü­ßen euch alle Hei­li­gen.
Die Gna­de des Herrn Jesus Chris­tus
und die Lie­be Got­tes
und die Gemein­schaft des Hei­li­gen Geis­tes
sei mit euch allen!

Gedan­ken zur Lesung:

I. „Küs­sen kann man nicht allei­ne“ — so heißt ein Lied des deut­schen Sän­gers Max Raa­be. Er besingt dar­in, was er al­les allei­ne hin­be­kommt: sein eige­ner Assis­tent zu sein, sich selbst beim Schach­spiel zu besie­gen, sich selbst aus­zu­spio­nieren, sogar sich selbst die Beich­te abzu­neh­men. Eines jedoch, so singt Raa­be, geht nicht: „Küs­sen kann man nicht allei­ne“. Küs­sen kann man nur eine ande­re Per­son — sieht man mal von den eher unbe­hol­fe­nen Ver­su­chen wäh­rend der Puber­tät vor dem Spie­gel ab.

II. Wenn Pau­lus in der Lesung die Men­schen in der Ge­mein­de in Korinth dazu auf­for­dert, sich „gegen­sei­tig mit dem hei­li­gen Kuss zu grü­ßen“, dann klingt die­se Auf­for­de­rung für uns sicher­lich selt­sam: zum einen weil nicht so ganz klar, was das eigent­lich sein soll: „ein hei­li­ger Kuss“ bzw. ob es dann auch un­heilige Küs­se gibt? Zum ande­ren kämen wir aber wohl auch ohne Ab­stands­gebot und Mund­schutz kaum auf die Idee, uns in der Kir­che ge­gen­seitig ein­fach so zu küs­sen.

Die Auf­for­de­rung des Pau­lus, sich mit dem hei­li­gen Kuss zu grü­ßen, erin­nert aber – ganz im Sin­ne des Lie­des von Max Raa­be — dar­an, dass es für man­che Din­ge eben doch an­de­re Men­schen braucht: Um Zunei­gung zu spü­ren braucht es eine ande­re Per­son, zu der man sich hin­ge­zo­gen fühlt. Gemein­schaft kann nur erle­ben, wer sich mit ande­ren Men­schen ver­bun­den weiß. Soli­da­ri­tät kann man schlecht gegen­über sich selbst üben, son­dern nur gegen­über ande­ren Men­schen, die Hil­fe brau­chen.

III. Sogar bei Gott scheint das so zu sein – zumin­dest legt dies das heu­ti­ge Fest der Drei­fal­tig­keit nahe: Von dem einen Gott in drei Per­so­nen zu spre­chen ist nichts ande­res als der theo­lo­gi­sche Ver­such aus­zu­drüc­ken, dass auch der EINE Gott zwar ein ein­zi­ges, aber kein ein­sa­mes gött­li­ches We­sen ist. Auch Gott exis­tiert in einer inne­ren Gemein­schaft, einer inne­ren Zusammen­gehörig­keit, die sich in den Na­men „Vater“, „Sohn“ und „Hei­li­gem Geist“ aus­drückt. Bild­lich gespro­chen könn­te man viel­leicht sagen: Vater, Sohn und Hei­li­ger Geist grü­ßen sich ge­gen­sei­tig mit einem hei­ligen Kuss.

IV. Pau­lus Auf­for­de­rung, sich mit dem hei­li­gen Kuss zu grü­ßen, ist also weni­ger eine Ein­la­dung zu über­trie­be­nem phy­si­schen Kon­takt, als viel­mehr ein Hin­weis, dass wir in un­serem Leben mit vie­len ande­ren Men­schen ver­bun­den und auf die­se ange­wie­sen sind. Das gilt für die gemein­sa­me Fei­er eines Got­tes­diens­tes und das gemein­sa­me Gebet — wir haben in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten ja erfah­ren, wie schwer es ist, allein zu sein und al­lei­ne aus­kom­men zu müs­sen.

V. Uns mit ande­ren ver­bun­den zu wis­sen und nicht nur auf das eige­ne Leben zu schau­en, wür­de aber deut­lich zu kurz grei­fen, wenn dies nur inner­halb der Kirchen­türen gel­ten wür­de. Die Auf­for­de­rung des Pau­lus zum hei­li­gen Kuss ver­stehe ich des­halb auch als Erin­ne­rung, dass wir in unse­rem Le­ben auch auf Men­schen ange­wie­sen sind, mit denen wir doch schein­bar gar nichts zu tun haben: aber wir hät­ten un­se­re Klei­dung nun mal nicht ohne die Nähe­rin­nen in Bang­ladesch; die Scho­ko­la­de nicht ohne den Kakao­bau­ern in Afri­ka. Auch mit Men­schen in weit ent­fern­ten Tei­len der Erde sind wir so ver­bun­den!

Die Auf­for­de­rung des Pau­lus zum hei­li­gen Kuss ist aber für mich letzt­lich auch eine Erin­ne­rung, dass wir mit ALLEN Men­schen ver­bunden sind; auch mit denen, die eine an­dere Sicht auf die Welt haben als wir selbst – die ihren Glau­ben anders leben, die eine ande­re Her­kunft haben als wir selbst, die ihre Bezie­hun­gen und ihre Sexua­li­tät an­ders gestal­ten als wir selbst

Pau­lus Auf­for­de­rung zum hei­li­gen Kuss ist für mich also auch ein Aus­ru­fe­zei­chen gegen jede Form von Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung — schließ­lich glau­ben wir, dass jeder und jede ein Kind Got­tes ist!

VI: „Küs­sen kann man nicht allei­ne“ — da wür­de ich dem Sän­ger Max Raa­be uneinge­schränkt zu­stim­men. Pau­lus Auf­for­de­rung zum hei­li­gen Kuss erin­nert mich aber dar­an, dass ich Gott und mei­ne Mit­men­schen noch für viel mehr brau­che!

Alex­an­der Flierl

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